Die letzte Aktualisierung des Welt-Trend-Indikators liegt rund fünf Wochen zurück.
Die Marktsituation hat sich deutlich verbessert:
- Globale Märkte in Euro: von 3 auf +12 = +9
- Globale Märkte in US$: von 12 auf 22 = +10
- Globale Märkte in Landeswährung: von 22 auf 36 =+14
Die aufgrund der damals vorliegenden Daten von mir erwartete Korrektur ist bis heute ausgeblieben. Die im August beschriebenen Divergenzen in vielen technischen Indikatoren und Marktstrukturdaten sind vor allem in den USA weiterhin existent. Auch gibt es fundamental viele Punkte, die für negative Überraschungen sorgen könnten. Man denke an einen Einbruch im US Immobilienmarkt aufgrund des extremen Zinsanstiegs in den USA, wie ihn Wells Fargo durch die Entlassung von tausenden von Mitarbeitern »in Aussicht« gestellt hat oder man denke an den Streit um das US Defizit und um eine eventuelle Zahlungsunfähigkeit in den USA. Auch sehen wir nicht mal eine Woche nach der Wahl, dass die Wahlversprechen gebrochen werden. Steuererhöhungen, die laut Schäuble im August noch Gift für die Konjunktur gewesen wären, sind plötzlich eine Option, nur um sich einen Koalitionspartner anzulächeln. Na vielleicht kommt ja noch mehr? Wie wäre es mit der weit fortgeschrittenen Bankenunion und einer spontanen Belastung von Sparern und Kleinsparern, damit man endlich das Problem löst?
Aber man muss auch feststellen, dass eine Reihe gewichtiger Belastungen zumindest vorübergehend verschwunden sind. Da wären zum einen die Sentiment-Daten, sowie viele globale Konjunkturfrühindikatoren, die Syrienkrise und auch die Angst vor einem zu schnellen »Deckeln«, bzw. »Tapering« der US-Notenbank was das Drucken frischen Geldes angeht.
Letztlich ist es wie immer an den Börsen – egal in welche Richtung man sucht – man findet immer viele Argumente für steigende oder für fallende Märkte.
Deshalb ist es auch so schwer mit fundamentalen Grundlagen Prognosen zu treffen – man kann immer was übersehen oder die Grundlagen falsch interpretieren.
Das muss man sich immer wieder selbst vorhalten. Umso wichtiger ist es sich Vorgehensweisen oder Regelungen anzueignen, die einen anzeigen wenn man falsch liegt oder die statistisch gesehen einen Vorteil bieten.
Beides erfüllt der Welt-Trend-Indikator.
Kommen wir aber zurück zum Thema WTI:
Im Chart gut zu erkennen ist die strukturelle Verbesserung in allen Teilindizes und in den regionalen Komponenten. Vor allem die »sonstigen Märkte« und Asien konnten sich deutlich verbessern.
In der letzten Aktualisierung schrieb ich:
»In der Zwischenzeit kann man sich ja mal mit der unteren Seite der Performance-Ranglisten beschäftigen – vielleicht findet man hier den einen oder anderen Markt, der seine Abwärtsbewegung bereits beendet hat oder der zumindest inzwischen so billig erscheint, dass man erste Käufe wagen kann.«
Kurz darauf veröffentlichte ich auch den Report zu Indien, in dem ich auch das gesamte Thema der Währungen der Emerging Markets aufgegriffen habe.
Den Artikel können Sie hier einsehen:
https://www.investment-strategy-research.com/reports.html
Bei den Währungen hat sich eine Menge getan. Die indische Rupie und der brasilianische Real konnten sich deutlich verbessern. Indonesien hingegen konnte die Abwertung der Währung noch nicht stoppen.
Ohne hier nun das Thema komplett erneut aufzugreifen, denke ich, dass dies eine mögliche Investmentstrategie sein kann, Aktienmärkte und Bonds der Schwellenländer auf diesem Niveau zu kaufen und somit dem WTI auch Tribut zu zollen – ohne nun den US-Markt kaufen zu müssen, der weder gefallen ist, noch sich in der Marktstruktur verbessert hat.
Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass die aktuelle Bewegung im WTI gewisse Ähnlichkeiten zu vorangegangenen Bewegungen hat.
So sah die Bewegung im Frühjahr und Sommer 2010 sehr ähnlich aus – es folgte Ende August ein kurzer Einbruch an den Aktienmärkten, der auch den WTI nochmal leicht negativ werden lies – sich aber als Fehlsignal herausstellte.
Eine weitere Ähnlichkeit besteht zum Frühjahr 2008. Damals folgte ab Ende Mai eine Abwärtsbewegung, der WTI sprang am 09. Juni auf rot um und dann begann die Talfahrt, die den Markt um rund 50% einbrechen lies.
Der WTI schützt also keineswegs vor Fehlsignalen, wie man sieht. Es ist ja auch kein Prognose-Instrument, sondern lediglich ein Instrument das anzeigt, wie »gesund« die Märkte auf globaler Ebene sind.
Insgesamt ist der WTI rund 8,8% oberhalb der durchschnittlichen Verkaufsmarken. Wer also auf dieser Datengrundlage nun die Quoten erhöht, der muss damit rechnen, dass er rund 9% verliert und dann ein Verkaufssignal bekommt. Dann muss man den Verlust realisieren. Wenn es ein Fehlsignal ist, dann ist es doppelt ärgerlich, weil man dann wieder teurer einsteigen muss. Aber das ist eben die Schwachstelle aller trendfolgenden Ansätze. Man erleidet in der Anzahl öfter Verluste als Gewinne. Umso wichtiger ist es die Verluste immer streng zu begrenzen und Gewinne laufen zu lassen.
Übrigens interessant ist, dass die globalen Märkte in Landeswährung kein Verkaufssignal gegeben haben. Jedoch kann man nicht verallgemeinern, dass die Indizes in Landeswährung grundsätzlich bessere Signale liefern, als die Indizes in Euro oder in Dollar. Für jeden Index könnte ich ein Beispiel zeigen, wo er vorne oder auch hinten lag.
