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Bulle und Bär

Bitcoin, Kryptowährungen

Inzwischen vergeht kaum ein Tag an dem nicht in irgendeinem Medium über »Bitcoin« berichtet wird. In unserem engeren Bekanntenkreis gibt es einige »Bitcoin-Pioniere« und »-Fanaten«. Folglich beschäftigen wir uns schon länger mit dem Thema der Kryptowährungen. Zum Test wie das überhaupt funktioniert haben wir bereits 2013 die ersten Transaktionen im Bitcoin getätigt. Der Kurs lag damals bei 84 Euro. Aktuell steht der Kurs bei über 13.000 Euro – und er lag vor wenigen Tagen auch bereits in der Nähe von 20.000 Euro.

Der Anstieg ist in der Tat gigantisch. Aber nur, weil der Preis von etwas stark steigt, muss es deswegen kein gutes Investment sein.

Wir sprachen auch immer wieder mit einigen Kunden über dieses Thema – wir wurden aber überwiegend »schief angeschaut«.
Bis heute ist der Kauf und Verkauf oder auch die Übertragung von Bitcoins und allen anderen Kryptowährungen oft sehr kompliziert und unübersichtlich. Es gibt inzwischen hunderte von virtuellen Marktplätzen – jeder mit einem anderen Prozedere und Regelwerk. Bei einigen kann man mehr oder weniger sofort handeln, bei anderen muss man erst die Zahlung anweisen. Ja! So richtig mit Banküberweisung! Und dann warten bis der Handelspartner die Zahlung bestätigt. Man sitzt also ein paar Tage »auf dem Trockenen«. Die Gebührenstrukturen der Marktplätze sind auch sehr unterschiedlich.

Was ist überhaupt ein Bitcoin, bzw. eine Kryptowährung?

Die Grundlage für Kryptowährungen ist die sogenannte »Block Chain«. In einer »Block Chain« werden Informationen dezentral gespeichert und gegenseitig bestätigt. Auf allen teilnehmenden Rechnern liegt die gleiche Information vor. Dadurch soll eine fälschungssichere Kette gewährleistet sein. Zum Thema Sicherheit gibt es aber auch einige (wenige) kritische Stimmen.
Wir möchten Sie an dieser Stelle nicht mit technischen Details langweilen. Wen das Thema näher interessiert, dem empfehlen wir die Lektüre der Sonderbeilage zu diesem Thema von der Anlegerzeitung »Smart Investor« vom November 2017.
Auf dieser (hoffentlich) fälschungssicheren Kette aufbauend wurde der Bitcoin ins Leben gerufen – eine digitale Währung, die »autonom« ist. Es braucht keine Bank, keinen Staat, keine Notenbank.
Den Grundgedanken von freien Währungen teilen wir. Das ist der Hauptgrund, warum uns das Thema bereits recht frühzeitig interessiert hat. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema, über das man viele Seiten füllen könnte.
Bitcoins sind von der Anzahl her begrenzt – es können nicht beliebig viele Bitcoins erzeugt werden. Irgendwann ist einfach Schluss. Auch diesen Gedanken fanden und finden wir interessant.
Aber: Inzwischen gibt es den einen oder anderen Nachahmer. Uns sind bereits 1.300 verschiedene Kryptowährungen bekannt. Somit ist das Argument der nicht beliebigen Vermehrung doch zumindest schon mal stark angekratzt. Zwar ist die Menge der Bitcoins wirklich begrenzt, aber was nutzt das, wenn es inzwischen 1.300 andere gibt? Natürlich bauen diese Währungen nicht aufeinander auf und sie haben auch nicht alle die gleichen »Erfinder« – trotzdem erinnert uns das ein bisschen an das amerikanische Schuldenlimit. Man verabschiedet ein Limit – wenn man am Limit angekommen ist, dann verabschiedet man ein neues Limit – jedes Jahr das gleiche Spiel.
Etwas zynischer formuliert: Sie haben einen echten Leonardo im Keller stehen und verkaufen zum Beispiel 10 limitierte Kopien davon. Die Kopien machen Sie mit ihrem HP Kopierer. Wenn die 10 limitierten Kopien verkauft sind, dann machen Sie nochmal 10 Kopien – nur eben mit dem Epson-Kopierer Ihres Nachbarn – und schon wieder haben Sie eine »einmalige« »limitierte« Auflage …

Handelt es sich beim Bitcoin nun um die Revolution des Geldsystems? Ist der Bitcoin tatsächlich die zukünftige, globale Währung?

Wir leben in einer Welt in der es relativ wenige Währungen gibt. Viele Länder haben eine eigene Währung – nicht so im Euro-Raum – hier haben mehrere Länder nur eine einzige Währung. Oftmals sind diese Währungen aber aneinander gekoppelt, Kurse werden bestimmt und vereinbart oder künstlich von Notenbanken in die gewünschte Richtung gelenkt. In der Regel haben die Staaten die Währungshoheit. Das hat Nichts, aber auch gar Nichts mit marktwirtschaftlichen Gedanken zu tun. Bitcoins können tatsächlich der Auslöser hin zu einem sich verändernden Währungsgefüge in der Welt sein. Ganz sicher wird Bitcoin aber nicht »die zukünftige, globale Währung«. Wer sich marktwirtschaftliche Gedanken zu Währungen macht, was die Erschaffer des Bitcoins wohl gemacht haben, dem dürfte klar sein, dass am Ende nicht weniger und gleichzeitig noch größere Währungen, sondern eine Vielzahl von sehr kleinen und sehr unterschiedlichen Währungen stehen würden.

Kann denn die Technologie der Block Chain noch was anderes, als Bitcoin?

Definitiv JA. Vor allem mit den sogenannten »Token« – die nichts anderes als eine digitale Verbriefung von beliebigen Rechten ist, kann sich tatsächlich die Wirtschaftswelt massiv verändern. Verträge, Vermögenswerte und andere Rechte kann man mittels Token in kleinste Einheiten »zerhacken« und verkaufen, bzw. erwerben. Ein bisschen klingt das wie das Gegenteil von dem, was die Hypothekenbanken vor der Finanzkrise gemacht haben. Sie  haben viele kleine Immobilienkredite zusammengepackt und dann als »sichere« Anlage weiterverkauft. Beim Token geht es eher darum Großes klein zu bekommen – oder komplexe Dinge transparenter zu machen. Aber auch das ist ein anderes Thema.

Wird eine Block Chain irgendwann den gesamten Zahlungsverkehr und den gesamten Währungshandel abwicklen?

Das liest man sehr oft. Allerdings ist die Block Chain sehr rechenintensiv. Aus heutiger Sicht scheint das absolut unvorstellbar, weil der Strom- und Rechner-Verbrauch einfach zu groß wäre. Die würden auch zu lange dauern, bis sie jeweils verifiziert sind. Auch die Block Chain entwickelt sich weiter – vielleicht wird es tatsächlich irgendwann soweit sein, aber aktuell sehen wir dieses Szenario noch nicht »hinter der nächsten Ecke«.
Kommen wir nun zur wichtigsten Frage in diesem Komplex:

Ist der Bitcoin, bzw. sind die Kryptowährungen eine »Bubble« – also eine völlig aufgeblasene Anlageklasse, die am Ende zusammenbricht – oder sollte man investieren?

JEIN.

Unsere »Krypto-Freunde« verzeihen uns bitte die nachfolgenden Formulierungen:
Ein Bitcoin oder eine der anderen Kryptowährungen ist am Ende nur verbrauchter Strom, belegter Speicherplatz und verbrauchte Rechenleistung.

Wer versucht das wirtschaftlich zu bewerten, der kann auch versuchen den Wert eines Grashalms zu berechnen.
Einen intrinsischen Wert haben der Bitcoin und auch die meisten anderen Kryptowährungen nicht. Gut möglich, dass es bald Kryptowährungen gibt, die mit Immobilien oder Edelmetallen oder Aktienpaketen oder was auch immer hinterlegt sind – dann sähe das schon etwas anders aus.

Die »Krypto-Fanaten« argumentieren dann natürlich, dass auch die klassischen Währungen am Ende keinen Wert haben, weil die Staaten überschuldet sind. Das ist zwar richtig, nur kann der Bitcoin seine »Kunden« am Ende nicht verurteilen, verhaften oder erschießen und er besitzt auch keine Flugzeugträger, Autobahnen oder kann mit hoch-modischen Frisuren eines Präsidenten aufwarten.

Diese Diskussion führt zu nichts! Wenn kein intrinsischer Wert vorhanden ist, sondern »nur« Vertrauen – was bei vielen anderen Geschäftsmodellen übrigens nicht anders ist – dann müssen wir das Pferd eben anders aufzäumen.

Was zeichnet eine »Asset Bubble« – also eine Anlageblase aus?

  • Dramatische Preissteigerungen über einen langen Zeitraum – Check
  • Weiterer, dynamischer Anstieg der bereits dramatischen Preissteigerungsraten – also eine Beschleunigung der Aufwärtsbewegung – Check
  • Mediale Aufmerksamkeit – Check
  • Unseriöse Marktteilnehmer, dubiose Persönlichkeiten und Unternehmen, die auf den Zug aufspringen und auch »irgendwas« in diese Richtung machen oder verkaufen – mehrfach Check - wir bekommen inzwischen fast täglich Anrufe von hochgradig dubiosen Firmen, die jegliche Gesetze missachten, hohe Kosten selbst einnehmen oder für uns bei einer Zusammenarbeit in Aussicht stellen und tatsächlich auch wieder Anrufe, »wie früher«: »Hallo, hier ist nochmal xyz von abc aus Takkatukkaland – seit meinem letzten Anruf haben Sie schon wieder 150% verpasst – worauf warten Sie noch?« – unglaublich aber leider wahr! Auch gibt es inzwischen tausende von Seiten, Flyern und Postings, die einem »das Geheimnis des Bitcoins« für teures Geld verkaufen oder die damit werben, dass man mit 10 Euro einsteigen kann und binnen wenigen Wochen für den Rest seines Lebens ausgesorgt hat.
  • Unbedarfte und völlig ahnungslose Marktteilnehmer (sogenannte »Hausfrauen«) – Check – wir haben zum Beispiel neulich in einer regionalen Facebookgruppe ein Posting entdeckt in dem stand in etwa »Hallo, wär hat Anung von Bitkoin und so – wie kaufen und was machen – bitte like«
  • Überzogene mediale Aufmerksamkeit – spätestens, wenn in der konservativen ARD die geschätzte Börsenreporterin Anja Kohl in der »Börse vor Acht« die gesamte Sendung NUR über Bitcoin spricht – dann sollte man in Bezug auf eine Übertreibung sehr aufmerksam sein.

Soweit scheint Bitcoin tatsächlich in einer Bubble zu sein.

Für eine echte Bubble fehlen uns aber noch zwei wesentliche Dinge:

  1. Eine ARD Niveau-Trash-Polit-Gesellschafts-Talk Sondersendung zu dem Thema am Montag Abend »Hart aber fair« mit dem von uns nicht ganz so sehr wie Anja Kohl geschätztem Frank Plasberg (wir entschuldigen uns schon mal vorab für diese Formulierungen) ist bisher ausgeblieben.
  2. Und der Punkt ist der Wichtigste: Massenhafte Teilnahme von Investoren.

Der Erste Punkt soll eher der Belustigung dienen. Der Zweite ist aber absolut ernst gemeint:

Wie viele Leute kennen Sie, die wissen was ein Bitcoin ist? Oder Litecoin oder Steem oder DASH oder Ethereum und wie sie alle heißen?

Wie viele Leute kennen Sie, die in mindestens einer dieser Währungen investiert sind? Und zwar nicht nur »zum Spaß« oder aus Neugier, um zu sehen was das ist und wie das funktioniert – sondern mit ernsthaften Anlageinteressen? Vermutlich nur sehr wenige oder niemanden.

Eine echte Bubble zieht extrem viel Kapital an. Das Platzen der Blase hat danach massive Folgen – und zwar nicht nur für den Kurs und das Segment in dem sich die Bubble entwickelt hat, sondern für große Teile oder gar ganze Volkswirtschaften.
Aus unserer Sicht sind wir da noch lange nicht angekommen.

Die Marktkapitalisierung von Bitcoin steht aktuell bei rund 263 Milliarden Dollar. Die Zahl klingt beeindruckend – und immerhin liegt die Kapitalisierung damit in etwa so hoch wie die von Wells Fargo oder Wal-Mart.

Die zweitgrößte Kryptowährung kommt gerade mal auf 73 Mrd. Dollar Kapitalisierung. Dann gibt es noch 5 weitere Kryptowährungen, die mehr als 10 Mrd. Dollar Kapitalisierung haben.

Im Verhältnis zum gesamtem Aktien und Anleihemarkt, dem Goldmarkt oder gar dem »offiziellen« Währungsmarkt ist das aber in der Tat Nichts!

Hinzu kommt, dass der Bitcoin kein wirklich produktives Element einer Volkswirtschaft ist. Wenn Wal-Mart morgen pleite geht, dann stehen 2,3 Millionen Menschen auf der Straße. Riesige Gebäudekomplexe würden leer stehen und die fast 500 Milliarden an Jahresumsatz würden neu verteilt werden – vermutlich vor allem bei der Online-konkurrenz … Würde Wells Fargo pleite gehen, dann sprechen wir über eine Bilanzsumme von knapp 2 Billionen Dollar! Das war zur Jahrtausendwende das Bruttosozialprodukt der gesamten Bundesrepublik!

Wenn es morgen aber keinen Bitcoin mehr gibt – wer würde wieviel Geld verlieren?

Dank der absoluten Transparenz kann man das relativ genau sagen – man weiß wie groß die verschiedenen Geldbeutel, die sogenannten »Wallets« sind. Ein Wallet gehört jeweils einer Person. Natürlich kann auch eine Person mehrere Wallets haben. Trotzdem sind die Daten relativ genau.

Wenn es morgen keinen Bitcoin mehr gäbe, dann wären rund 14,5 Mio. Menschen jeweils ihre Gesamtbestände im Bitcoin verloren – das ist die Gruppe der Wallets mit einem Gesamtbestand von weniger als 0,001 Bitcoins (!!) – diese 14,5 Mio. Menschen besitzen insgesamt 2.666 Bitcoins – umgerechnet macht das 2,79 Dollar pro Person. Das ist in etwa der Wert einer Paketmarke.

Weitere 5,5 Mio. Menschen mit Wallets zwischen 0,001 und 0,01 Bitcoins hätten einen Verlust von durchschnittlich 63,46 Dollar zu beklagen.

Dann kommen rund 4,3 Mio. Wallets mit 0,01-0,1 Bitcoins, 1,8 Mio. Wallets mit 0,1-1 Bitcoins und erst dann wird es Betragsmäßig für Einzelpersonen langsam interessant. Rund 560.000 Wallets beinhalten zwischen 1 und 10 Bitcoins. Schmerzlich wird es für die Besitzer der 133.000 Wallets mit 10-100 Bitcoins. Mehr als 100 Bitcoins befinden sich überhaupt nur in 17.537 Wallets.

In diesen 17.537 Wallets befinden sich 60,62% aller Bitcoins.

Ja – es gibt Millionen von Kleinstanlegern. Allerdings sollte man die unteren 30 Millionen Wallet-Besitzer nicht als »Anleger« bezeichnen. Das sind technisch interessierte Personen, oder experimentierfreudige und neugierige Personen oder es sind einfach nur vergessene Restbestände von anderen Transaktionen.
Man stelle sich vor, was passiert, wenn eine der beiden Bitcoin-Wallets, die mehr als 100.000 Bitcoins beinhalten aus irgendeinem Grund morgen verkauft werden müsste ...

Wir möchten also festhalten, dass ein plötzlicher Totalverlust des Bitcoin definitiv keine volkswirtschaftlichen Schäden oder gar Zusammenbrüche anrichten würde.

Der Wert des Bitcoins wär eben Null. Ein paar wenige Leute, die vermutlich schon sehr, sehr lange wissen, dass sie ihre Bestände niemals in kurzer Zeit »versilbern« können, hätten einen niedrigeren gefühlten Reichtum – 30 Millionen Leute würden weniger als 100 Dollar verlieren. Die wöchentlichen Lotterien hantieren vermutlich mit größeren Summen und trotzdem ist die Welt nicht jede Woche untergegangen, weil weltweit nahezu jeder Lottospieler jede Woche einen Totalverlust erlitten hat.
Aktuell ist das Segment der Kryptowährungen gesamtwirtschaftlich absolut irrelevant.

Ist es eine Blase? Vermutlich ja.

Wird die Blase kollabieren – wie alle anderen Blasen auch? Vermutlich auch ja.

Bei welchem Kurs wird die Blase kollabieren?

Das ist blanke Spekulation. Denn jetzt kommen wir zum letzten und vielleicht für die Zukunft wichtigstem Punkt:

Der Bitcoin wird mit dem Bitcoin-Future für die Finanzmärkte massentauglich!

Die Warenterminbörse handelt seit Dezember 2017 einen Terminkontrakt auf den Bitcoin – einen sogenannten Future. Damit können nun Finanzinvestoren binnen Millisekunden den Bitcoin kaufen und verkaufen – ohne an einem der vielen Marktplätze kompliziert, aufwendig und kleinteilig einzelne »Münzen« einzusammeln oder zu veräußern. Sie kaufen oder verkaufen einen Future – mit geringem Kapitaleinsatz (»Margin«) und zu minimalen Kosten.

Sofern insgesamt an dem Thema Kryptowährungen »was dran ist« – was wir durchaus für möglich und wünschenswert erachten – dann wird das nur der Anfang gewesen sein. Andere Börsen werden folgen, andere Kryptowährungen auch. Genauso wie man seit Langem Aktien, Indizes und Rohstoffe mittels Futures handelt, wird man dann auch viele Kryptowährungen in unterschiedlichen Zeitzonen extrem effektiv handeln können.

Bisher war es potentiellen Großinvestoren vom Aufwand, den Regulatorien und der Liquidität her faktisch einfach nicht möglich in diesem Segment aktiv zu werden. Das kann sich durch die Einführung von Futures verändern. Große Kapitalsammelstellen denken heute nicht mehr in Millionen oder 10-Millionen, sondern mindestens in 100-Millionen, wenn nicht sogar Milliarden-Summen. Eine Stiftung, ein Fonds, eine Pensionskasse eine Versicherung, mit zum Beispiel »nur« 10 Milliarden Euro verwaltet denkt vielleicht darüber nach eine Position von 3% strategisch in Kryptowährungen zu investieren – das wären mal eben 300 Millionen Euro – bei der aktuellen Verteilung der Wallets gäbe es weltweit weniger als 120 Eigentümer, die eine solche Gesamtsumme überhaupt auf einen Schlag anbieten könnten. Wahrscheinlich würde der Investor die Investition in mehrere »Portionen« aufteilen und zeitlich strecken – aber auch dann ist es unter den bisherigen Umständen praktisch kaum machbar gewesen große Summen zu investieren.

Mit dem Future ist das anders. Man ordert einfach 23.000 BTC-Futures »und fertig«. Natürlich muss auf der anderen Seite erstmal jemand stehen, der die 23.000 »synthetischen« Bitcoins überhaupt verkauft. Aber der muss sie »physisch« gar nicht haben. Vielleicht ist es ein Spekulant oder ein Hedgefonds oder vielleicht ist es sogar wirklich einer der 120 Eigentümer der großen Wallets, die nun endlich mal Kasse aus ihren echten Bitcoins machen, bzw. sich gegen Kursverluste absichern wollen.
Ist das nur Gedankenspinnerei? NEIN! Am Freitag, den 22.12. wurden zum Beispiel 12.550 Bitcoin-Futures gehandelt – das bedeutet es gab auf der einen Seite einen oder mehrere Investoren, die 12.550 Bitcoin-Futures gekauft und auf der anderen Seite einen oder mehrere Investoren, die 12.550 Bitcoin-Futures verkauf haben. Wenige Tage nach Einführung des Futures sprechen wir bereits über einen Markt, der potentiell nun auch wirklich großen Adressen offen steht.
Das ist die Grundlage, dass überhaupt mal »wirklich viel« Geld in diesen Markt strömt. Deshalb muss die Frage nach dem Zeitpunkt, bzw. dem Preis bei dem der Bitcoin dann kollabieren kann oder wird aktuell noch völlig offen bleiben.
Wir haben mal etwas mit verschiedenen Zahlen herumgerechnet. Sofern Kryptowährungen ihre Berechtigung als Nischen-Anlageklassen haben, können wir uns eine Marktkapitalisierung von rund 1 Bio. US-Dollar vorstellen. Sollten Kryptowährungen tatsächlich »das neue Gold« sein, dann sprechen wir bereits über 7-8 Bio. Dollar.

Schon diese beiden Zahlen zeigen, dass die Kryptowährungen – sofern sie auf breitere Akzeptanz stoßen in Summe noch deutliches Potential haben.

Vom bisherigen Verlauf, der Preissteigerung und dem medialen Effekt hat ist es durchaus möglich, dass die Kurse um 20.000 Dollar vor wenigen Tagen das Ende der Fahnenstange waren und dass es von hier ab nur noch abwärts geht. Wie dargelegt sprechen aber einige Punkte auch für weitere Kursexzesse.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Rolle der Staaten, der klassischen Banken und Notenbanken. Einige Staaten unterstützen die Idee der Kryptowährungen oder wollen sogar selbst welche heraus bringen, andere verbieten den Handel oder die Handelsplätze oder die Währungen. Einige Banken denken daran ebenfalls Kryptos heraus zu bringen – andere Banken warnen eindringlich mit Kurszielen von 0. Auch von dieser Seite werden die Kurse weiterhin stark beeinflusst werden.

Das für uns wahrscheinlichste Szenario ist, dass sich mittelfristig wenige dutzend Kryptowährungen – die nicht nur technologisch, sondern auch inhaltlich unterschiedlich sind – durchsetzen werden. Dabei werden Sie zunächst keine klassischen Währungen sein, sondern eher technologische Vorreiter – mit entsprechend starken Kurskapriolen – somit sind sie nicht als »Geldspeicher« tauglich. Aus heutiger Sicht ist es unmöglich zu prognostizieren welche Währungen das am Ende sein werden. Eine mögliche Strategie um davon zu profitieren wäre also, dass man in die 20 größten Kryptowährungen gleichmäßig verteilt investiert und regelmäßig (täglich oder wöchentlich) die Positionsgrößen anpasst. Aktuell braucht man für eine solche Strategie noch sehr viel Zeit, hat einen hohen Arbeits- und Kosten-Aufwand und muss sich sehr stark mit der Materie auseinandersetzen. Mit der Einführung des Futures denken wir aber, dass es ein überschaubarer, zeitlicher Rahmen sein wird, bis man in genau solche Strategien, dann auch in Fonds-Form, ganz einfach investieren kann. Es gibt bereits Fonds, die in Kryptowährungen investieren – das sind aber noch absolute Einzelfälle. Wenn nach dem Bitcoin-Future noch weitere Kryptowährungs-Futures kommen, dann könnten solche Produkte binnen wenigen Monaten auf dem Markt sein.

Genau das ist auch der Grund, warum wir nun so ausführlich über dieses Thema geschrieben haben. Machen Sie sich doch einfach schon mal Ihre Gedanken zu dem Thema, es könnte sein, dass wir in wenigen Monaten genau über eine solche oder ähnliche Fonds-Strategie miteinander sprechen werden.